Grußwort
von Professor Dr. Gert Kaiser,
Rektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf,
anläßlich des Festaktes zur Eröffnung des
Heine-Jahres am 16. Februar 1997


Verehrter Herr Ministerpräsident,
Frau Oberbürgermeisterin,
Frau Professor Klüger,
Frau v. Bennigsen-Foerder,
meine sehr geehrten Damen und Herren,


auf dem Vorplatz unserer Universitätsbibliothek steht seit 1994 eine lebensgroße Bronzefigur Heinrich Heines, unseres Namenspatrons seit 1988, den Blick links auf die Geisteswissenschaften gerichtet und rechts auf die Jurisprudenz. Die Geschichte dieses Denkmals spiegelt vieles von dem wider, was für das schwierige Verhältnis der Deutschen zu Heine kennzeichnend ist. Nach einer sehr emotionalen Kampagne 1926 von Hugo Lederer in Hamburg geschaffen und aufgestellt - und noch im Frühjahr 1933 von den Nazis entfernt und schließlich 1943 sogar eingeschmolzen. Glücklicherweise blieben je doch ein Gipsmodell und ein Bronzeabguß erhalten. Wir haben da nach eine lebensgroße Bronzefigur anfertigen lassen - und so steht sie dort gleichsam ein Denkmal vom Denkmal, und ist uns Abbild unseres Patrons und zugleich Zeugnis seiner Geschichte mit uns Deutschen.
Wenn ich sehe, wieviel Zuneigung und Liebe dieses Denkmal er fährt - nicht nur daß sich die Studenten nach bestandenem Examen dort fotografieren lassen, auch die Professoren führen ihre Gäste gern zum Erinnerungsbild dorthin -, wenn ich das sehe, wird mein Besuch morgen am Grab auf dem Montmartre doch zu einem sehr besonderen Ereignis. Nicht gleich eine Bußfahrt, aber doch auch in Erinnerung, daß unsere Universität allzu lange gebraucht hat, um zu Heine zu finden.
Deshalb auch wollen wir dieses Heine-Jahr so feiern wie es uns zu kommt mit Wärme, aber auch mit Takt. >>Aufklärung und Skepsis<< - so haben wir den großen Kongreß genannt, der in Zusammenarbeit mit dem Heine-Institut unser wichtigster Beitrag zum Heine-Jahr ist und der alle namhaften Heine-Forscher der Welt in Düsseldorf versammeln wird. Auch werden wir mit unserer Partneruniversität in China, der Universität Peking, eine internationale Heine-Konferenz in Peking veranstalten. Es wird ein großes Treffen vor alem der jungen Heine-Forscher aus Asien. Und so wird eine Brücke geschlagen sein zwischen Peking und Düsseldorf im Namen unseres Patrons.
Bei diesen Gelegenheiten der Forschung und Verehrung wird sichtbar, daß in der Universität ein weiteres Heine-Denkmal entstanden ist, das wichtigste und größte wohl überhaupt die Düsseldorfer Heine-Ausgabe, die mein Kollege Manfred Windfuhr in langen Jahren bewundernswerter Arbeit und mit Sinn für ein gutes >>Timing<< gerade jetzt abgeschlossen hat. Ein monumentales Editionswerk, in den siebziger Jahren begonnen und fertig genau in einem Jahr, in dem gewiß öfter daran erinnert werden muß, daß Dichter nicht bloß gelobt sondern auch gelesen sein wollen.
Was aber kann einem Autor vom Format Heines Schlimmeres widerfahren, als daß nun alle seine Werke lieben? Was einst widerständig war, was die Kontroverse, was den Meinungskampf auslöste, das wird nun mit der Patina des Klassikers überzogen; was einst den Bourgeois erschreckte, das ist nun so traulich wie ein Volkslied. Und das pathetisch-große Wort Adornos von der >>Wunde Heine<< - oft ist es ja mißverstanden worden - es wird am Ende zu Literaturgeschichte und zu gesunkenem Bildungsgut. Es ist ein Jammer mit der Klassik. Deshalb ist es >>lebenswichtig<< für Heine, daß Menschen glaubwürdig in seinem Namen sprechen, glaubwürdig durch Schicksal, Haltung und Werk.
Die Heine-Gesellschaft ehrt heute Ruth Klüger, Germanistin an der University of California at Irvine, eine Frau, Schriftstellerin und Gelehrte, die wie wenige nur das Recht hat, im Namen Heinrich Heines zu uns zu reden. Ich habe viel nachgedacht über jenen lapidar-ergreifenden Satz, den sie auf ihr Dichten in Auschwitz bezogen hat >>Ich hab den Verstand nicht verloren, ich hab Reime gemacht.<<
Ich bin dankbar, daß ich heute dabei sein darf.
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